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Der fliegende Salon

Im Mittelpunkt der von Claudia Grögler im Herbst 2016 realisierten Rauminszenierung „Der fliegende Salon" steht eine großformatige Malerei. Dargestellt ist darauf ein Mädchen, das ein langes Band aneinandergereihter schwarzer Vögel aus Papier ausschneidet. Die Präsentation dieses Bildes oberhalb einer wie ein Altar anmutenden Bar scheint zunächst erhaben. Im gleichen Moment wird dieser Eindruck jedoch spielerisch gebrochen, indem sich das Motiv des Bildes auf den ganzen Raum ausdehnt. Es bleibt unklar, ob die Protagonistin
im Bild Urheberin der im Raum verteilten figurativen Papierschnitte ist oder ob es sich um weitere Darstellungen von ihr handelt. Mit kraftvoller Dynamik werden diese Papierfiguren im Raum von schwarzen, ebenfalls aus Papier geschnittenen Vögeln umkreist. Wie ein Wirbel scheinen sie den Raum nach oben zu öffnen und sie treten dabei nicht nur in Interaktion mit den Figuren, sondern legen sich bisweilen auch wie wehende Haare oder Hüte behutsam oder schütztend um ihre Köpfe. Verdichtet wird diese Inszenierung durch eine subtile, teils farbige Beleuchtung und eine speziell angefertigte Soundcollage von Sebastian Parfitt.


Sehr zeitgemäß werden so traditionelle Genres von Bühnenbild und Installation in ihren Grenzbereichen und in neuen Allianzen ausgelotet. Gleichzeitig gibt diese Arbeit einen sehr pointierten Einblick in die künstlerische Haltung von Claudia Grögler. Sie entführt den Betrachter in eigenwillige Bildszenarien, die bisweilen zu einem Geflecht von Geschichten und möglichen Geschichten ausgearbeitet werden. Dabei schöpft sie gerne aus der Welt der Märchen, behält aber auch das Abgründige dieser Erzählungen im Blick. Manchmal sind es Details, die auf diese düstere Seite verweisen. Bei der Arbeit „Der fliegende Salon" sind es zum Beispiel die wie Sezierwerkzeuge wirkenden kleinen Papierscheren, die am Boden von zwei Lichtschalen liegen. Ebenso wichtig für die Haltung der Künstlerin ist, dass die Rauminszenierung nicht nur als sozialer Raum mit der Möglichkeit eines Barbetriebs ausgestaltet ist, sondern dass auch die darin erzählte Geschichte große Freiräume für Betrachter zulassen. Wer Zugang zu diesen Bildräumen findet, wird sich daran so schnell nicht sattsehen können.


Dörthe Bäumer

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